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Pra╠łambel


Die Charta von Lampedusa ist ein Bu╠łndnis zwischen den unterschreibenden Organisationen, Gemeinschaften und Individuen, die die Prinzipien, die sie entha╠łlt, bejahen, ausu╠łben und verteidigen wollen. Jede_r Unterzeichner_in kann mit der Charta in der eigenen Weise und in der eigenen Sprache umgehen, wie sie_er dies als angemessen betrachtet. Die Charta von Lampedusa ist das Ergebnis eines konstituierenden Prozesses und der Konstruktion eines Rechts von unten. Die Charta wurde gemeinsam geschrieben bei einem Treffen verschiedener Organisationen, Gemeinschaften und Einzelpersonen vom 31. Januar bis 2. Februar 2014 auf Lampedusa. Anlass fu╠łr dieses Treffen war der Tod von u╠łber 600 Frauen, Ma╠łnnern und Kindern durch die Schiffsbru╠łche vom 3. und 11. Oktober 2013. Dies waren die aktuellen Trago╠łdien im Mittelmeer, das sich durch die gegenwa╠łrtige Regulierung und Kontrolle der Migration in einen Meeresfriedhof verwandelt hat.

Die Charta von Lampedusa ist keine Gesetzesvorlage oder eine Aufforderung an Staaten oder Regierungen. Seit vielen Jahren schra╠łnken Regierungen Personen und deren Bewegung ein. Die Einschra╠łnkung ist funktionales Element der gegenwa╠łrtigen Wirtschaftspolitik und produziert Ungleichheit und Ausbeutung. Diese Politik hat sich mit der Wirtschaftskrise der ersten Jahre des neuen Jahrtausends weiter versta╠łrkt. Insbesondere schafft die Europa╠łische Union durch ihre Migrationspolitik eine geopolitische Landschaft, die fu╠łr uns vo╠łllig inakzeptabel ist. Diese Politik basiert auf Ausschluss und der Limitierung von Mobilita╠łt, indem sie unterscheidet zwischen Menschen, denen es erlaubt ist, sich frei zu bewegen und anderen, die zahlreiche Hindernisse u╠łberwinden mu╠łssen, deren Bewegungsfreiheit verhindert oder stark eingeschra╠łnkt wird oft mit dem Risiko, das Leben zu verlieren.

Die Charta von Lampedusa verlangt eine radikale Vera╠łnderung der sozialen, o╠łkonomischen, politischen, kulturellen und rechtlichen Beziehungen, die das gegenwa╠łrtige System kennzeichnen. Diese Beziehungen sind die Basis der globalen Ungerechtigkeit, der Millionen von Menschen derzeit ausgeliefert sind. Die Vera╠łnderung beginnt mit dem Aufbau einer Alternative, basierend auf Freiheit und Lebensperspektiven fu╠łr Alle, ohne irgendeine Unterscheidung aufgrund von Staatsangeho╠łrigkeit und/oder Herkunft. Die Charta von Lampedusa basiert auf der Anerkennung, dass alle Menschen die Erde als gemeinsamen Raum bewohnen und dass diese Zugeho╠łrigkeit von uns Allen respektiert werden muss. Unterschiede mu╠łssen als eine Bereicherung verstanden werden, als eine Quelle neuer Mo╠łglichkeiten, und sollen nie benutzt werden, um Schranken zu bilden.

Die Charta von Lampedusa versteht unseren Planeten als ihren Anwendungsbereich und das Mittelmeer als ihren Ursprungsort, in dessen Zentrum die Insel Lampedusa liegt. Die gegenwa╠łrtige Politik sowie die Regulierung der Migration hat der Insel die Rolle einer Grenze und eines obligatorischen Durchgangsortes aufgezwungen. Zehntausende Menschen starben beim Versuch, die Insel zu erreichen. Die Charta von Lampedusa will der Insel und ihren Bewohner_innen ihr Schicksal wieder in die eigenen Ha╠łnde geben. Mit dieser ersten Vera╠łnderung der ga╠łngigen Routen, die von politischen und o╠łkonomischen Regeln bestimmt werden, will sich die Charta u╠łber die Welt verbreiten. Mit unserer Unterschrift verpflichten wir uns, das von der Charta von Lampedusa formulierte Recht von unten in unserem politischen, sozialen und kulturellen Kampf in die Tat umzusetzen, unabha╠łngig davon, ob dieses durch Staaten und/oder internationale Institutionen anerkannt wird. Die Charta von Lampedusa gliedert sich in zwei Teile. Diese Zweiteilung widerspiegelt die Spannung zwischen unseren Wu╠łnschen und U╠łberzeugungen einerseits und der politischen Realita╠łt auf der Welt andererseits.

Teil eins listet unsere Grundsa╠łtze auf. Diese bilden die Grundlage unserer Ka╠łmpfe, welche sich aus der Charta von Lampedusa ergeben.

Der zweite Teil hingegen anerkennt die Notwendigkeit, sich mit der Realita╠łt der gegenwa╠łrtigen Migrationspolitik und der Militarisierung der Landesgrenzen auseinanderzusetzen: mit dem Rassismus, der Diskriminierung, der Ausbeutung, den Ungleichheiten, den Einschra╠łnkungen und dem Tod von Menschen, den diese Politik produziert. Die Charta von Lampedusa fordert dabei eine umfassende Richtungsa╠łnderung.


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